Stärken der Zeitarbeit nutzen

Bremen |

09.11.2015

Man muss auch träumen dürfen: iGZ-Hauptgeschäftsführer RA Werner Stolz zeichnete mit einer denkwürdigen Grundsatzrede beim vierten Potsdamer iGZ-Rechtsforum vor 270 Zuhörern eine Welt, in der Zeitarbeit als ideales Flexibilisierungsinstrument der Wirtschaft anerkannt ist und dazu genutzt wird, auch Flüchtlinge kurzfristig zu integrieren.

„Wir gehen davon aus, dass der Gesetzentwurf aus dem BMAS in den nächsten Tagen kommt“, richtete er mit Blick auf die geplanten gesetzlichen Regulierungen der Zeitarbeit das Wort an die Zuhörer. Geht es nach dem Willen der Politik, soll die Überlassungsdauer künftig auf 18 Monate beschränkt werden, und es soll Equal Pay nach neun Monaten geben.

"Wir schaffen das"

„Ich träume mal, dass Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vor die Presse tritt und sagt: „Die Lage ist ernst. Jetzt ist es wichtig, dass die Sozialpartner zusammen arbeiten - auch angesichts der Flüchtlingskrise. Wir schaffen das unter bestimmten Voraussetzungen mit einem Gesetzentwurf, der in der Zeitarbeit für mehr und nicht für weniger Flexibilität sorgt. Und wir schreiben jetzt Zeitarbeit und nicht mehr Leiharbeit, weil der Begriff diskriminierend ist. Wir öffnen das Bauhauptgewerbe für die Zeitarbeit und wir heben die zeitliche Begrenzung im Flüchtlingsparagraphen auf. Wir brauchen jetzt ein großes Bündnis für Arbeit und Integration, und die Zeitarbeit ist herzlich eingeladen mitzuwirken. Der Gesetzgeber leistet lediglich flankierende Maßnahmen.“

Paradigmenwechsel

Die Realität aber sieht – noch – anders aus. Stolz: „Ein ganz wichtiger Punkt ist zurzeit die Frage der Flüchtlingspolitik. Deutschland ist schon immer ein attraktives Land für Migration. Wir hatten aber bislang eher eine gesteuerte Zuwanderung.“ Jetzt, so der Hauptgeschäftsführer, kommen Asylsuchende aus unterschiedlichen Bürgerkriegs-Regionen. Deshalb gebe es Probleme, die mittlerweile tagtäglich diskutiert werden. „In den letzten Monaten fand zudem ein Paradigmenwechsel statt. Die Asylgesetzgebung war sehr stark auf Abschottung fokussiert.“

Integration

Inzwischen habe das Bemühen Vorrang, Flüchtlinge auch zu integrieren. Stolz: „Die Konflikte und die Ursachen der Konflikte rücken mit den hier ankommenden Flüchtlingen viel näher. Wir müssen aus der Not eine Tugend und nicht die gleichen Fehler wie bei den Gastarbeitern machen“, betonte der iGZ-Hauptgeschäftsführer. „Es ist ein großer Fehler, die Zeitarbeit nicht stärker als Integrationsfaktor zuzulassen.“ Die Änderung des ursprünglichen Beschlusses der Großen Koalition, die Zeitarbeit für Flüchtlinge nach drei Monaten zu öffnen, sei wohl der Angst geschuldet gewesen, dass dann noch mehr Flüchtlinge kämen. Daher habe sich die Politik nur auf 15 Monate verständigt.

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